• Dr. Gordon Lueckel

Wer erzählt, der überlebt

So titelte „Die Zeit“ einen Artikel im Dezember 2019 und schreibt: „Menschen lieben Geschichten.“ Der Mensch, schreibt der Philosoph Alasdair MacIntyre, erkannte im Menschen ein „storytelling animal“. Es geht dabei weniger um Vernunft oder sachliche Argumente, als um Emotionen, die durch das Erzählen glaubhafter Geschichten erzeugt werden sollen.


Das ist das Geheimnis des Storytellings und Storymarketings. Klar, keine Neuigkeit. „No rocket-science!“ Jedenfalls in der Theorie. In der Praxis ist mitreißendes Storytelling, der Kern des Marketingerfolgs, eine hohe Kunst und das Fundament auf dem alle Bewegtbild-Arbeiten aufbauen sollten.


Ein Beispiel: Stellen Sie sich einen Unternehmens-Imagefilm vor. Man zeigt Ihnen – technisch brillant und aufwändig produziert – die Produktionshallen und Büros. Das eine oder andere Statement von Mitarbeitern bis hin zur Geschäftsführung wurde eingearbeitet. Alles ist makellos, perfekt, aber auch glatt und absehbar. Davon gibt es – leider - Hunderte Beispiele. Nun stellen Sie sich einen Beitrag vor, indem ein Mitarbeiter sie „an die Hand nimmt“ und die Entwicklung eines Produkts in Abstimmung mit einem Kunden und dem Team des Unternehmens, Schritt für Schritt bis hin zur Fertigstellung und Übergabe zeigt. Es gibt Momente des Fragens, der Enttäuschung oder Unsicherheit, es wird gelacht bis hin zur gemeinsamen Begeisterung. Der Firmenname ist nie dominant, eher beiläufig zu sehen oder einfach nur am Schluss eingeblendet. Ein ganz einfaches Beispiel, das beschreibt, das eine kleine Geschichte immer besser funktioniert als pure Information, sei sie noch so gut aufbereitet.


Grundsätzlich gilt, dass große Gefühle großen „Impact“ beim Zuschauer haben. Je mehr Pathos, Drama, Humor, Selbstironie, je erfolgreicher ist das Videomarketing. Es geht tatsächlich nicht um technischen Riesenaufwand in der Produktion, sondern um ein Plädoyer für die sorgsame Entwicklung einer kreativen, bewegenden Story.


Marketing als erzählenswertes Erlebnis und nicht als pure Kommunikation. Schließlich ist es ein „allgegenwärtiger Drang des Menschen, Geschichten weiterzureichen“ (Die Zeit, 23. Dezember 2019, s. 43). Und das ist der doch Traum des Videomarketing-Verantwortlichen: Liken und teilen!


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